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Lüneburg: Besichtigung des Salz-Museums

Besichtigung: Lüneburg Altstadt und Salzmuseum

am 17.07.2019

Ich fahre gern mit dem Metronom – ganz entspannt im Oberdeck in bequemen Sesseln. Unsere Stadtführerin erwartete uns schon. Wir besichtigten den Kran aus der Hansezeit von innen und stellten uns vor, wie Tagelöhner das massive riesige Rad -  die sogenannte Tretmühle (Antrieb mit Muskelkraft)  – bewegten. „Das ist ja wie in einer Tretmühle“, ist ein Spruch, der für eintönige, stundenlange Arbeit steht. Jetzt wissen wir, wie so etwas aussieht! Durch seine lange Monopolstellung als Salzlieferant im norddeutschen Raum, die erst spät durch Salzimporte aus Frankreich geschwächt wurde, war Lüneburg ein frühes Mitglied der Hanse: Als Bund einzelner Kaufleute in Lübeck im Jahr 1158 begonnen, kam es 1356 (auf dem ersten allgemeinen Hansetag) zum Bund von Handelsstädten. Das Lüneburger Salz war notwendig, um die in der Ostsee und vor Norwegen gefangenen Heringe einzupökeln und so konserviert als Fastenspeise im Binnenland anzubieten. Im 12. Jahrhundert erhielt Lüneburg das Stadtrecht und im 14. Jahrhundert das Stapelrecht. Es zwang reisende Kaufleute, mit ihren Fuhrwerken Lüneburg aufzusuchen und ihre Waren dort zu „stapeln“, also zum Verkauf anzubieten. Damit die Kaufleute Lüneburg nicht umfahren konnten, wurde um 1397 westlich der Stadt eine unpassierbare Landwehr angelegt, die Errichtung einer östlich gelegenen Landwehr erfolgte um 1479. Viele Häuser in der Altstadt stammen aus dem 15. Jahrhundert. Es sind meist rote Ziegelbauten mit runden Schmucksteinen, die sich wie eine Säule bis zum Giebel erstrecken. Der Wechsel von gotischen Elementen, Barock und Gründerzeit und den typischen Treppengiebeln oder geschwungenen Barockgiebeln mit Schneckenzier lässt den Betrachter staunen und dankbar dafür sein, dass es in Lüneburg kaum Bombardierungen im zweiten Weltkrieg gab. Lüneburg war im 15. Jahrhundert genauso groß wie Hamburg und hatte ca. 10.000 Einwohner. Wir erfuhren auch noch Einzelheiten über die damalige Hygiene, aber das erspare ich Ihnen. Viele Häuser hatten einen Erker, einen Utlook, in dem die unverheirateten Mädchen mit einer Handarbeit saßen und das Geschehen auf der Straße beobachteten. Sie durften ja ohne männliche Begleitung das Haus nicht verlassen, und die Männer mussten arbeiten. Wenn ein Mädchen dann heiratete, war es „weg vom Fenster“. Ein Spruch, der uns heute noch bekannt ist.

Im Anschluss an den Stadtrundgang und ein Mittagessen in einer der ältesten ehemaligen Brauereien („Krone“), besichtigten wir das Salzmuseum, das in der ehemaligen Saline eingerichtet wurde.  Bis 1980 hat man hier Salz gewonnen. Die Sole hat einen Salzgehalt von 26 %. Das ist immens hoch, und aus einem Liter Sole wurden ca. 300 g Salz gewonnen – und das seit dem 12. Jahrhundert.  Das Zentrum bildete der von 54 Siedehütten umgebene Sod (= Salzbrunnen). Die je vier Siedepfannen der Siedehütten, die nach ihren ersten Besitzern benannt waren, wurden über Rinnen und Kanäle mit Sole versorgt. Die Sole wurde mit Eimern aus der Siedekammer an die Oberfläche befördert und von dort aus auf die 216 Siedepfannen verteilt. Die Eigentümer der Pfannen wurden Sülzbegüterte genannt und waren nicht unbedingt in Lüneburg ansässig. Sie besiedeten ihre Pfannen nicht selbst, sondern verpachteten sie an in Lüneburg ansässige Siedeberechtigte. Wenn ein Siedeberechtigter mindestens vier Pfannen gepachtet hatte, wurde er Sülfmeister genannt und hatte Anspruch auf eine eigene Siedehütte. Beliefert wurden vor allem die Ostseestädte, in denen man mit dem Salz die Heringe haltbar machte. Man brauchte nicht sehr tief zu graben, um an die Sohle heranzukommen. Deswegen war im 12. Jahrhundert der Abbau möglich, denn die technische Ausstattung damals erlaubte es nicht, mehr als 20 m tief zu graben wegen der fehlenden Luftzufuhr.

In der Hoffnung, die Informationen auch zu behalten und die Eindrücke zu speichern, fuhren wir mit dem Metronom wieder nach Hause.

Ute Mielow-Weidmann

20190905