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Besuch der Orgelbauwerkstatt Rudolf von Beckerath in Tonndorf am 12.11.2019

Herr und Frau Kraft haben als Gäste an der Betriebsbesichtigung teilgenommen. Herr Kraft spielt seit Jahrzehnten Orgel – daher das Interesse und die tiefen Kenntnisse. Der Verein bedankt sich ganz herzlich bei Familie Kraft für die Verfassung dieses informativen Artikels.

Innerhalb von knapp 90 Minuten in die über 2000-jährige Geschichte des Orgelbaus einzutauchen ist kaum möglich. Aber wir konnten einen Eindruck von der komplexen Arbeit des Orgelbaus bekommen, der bis heute - wie vor hunderten von Jahren - überwiegend aus Handarbeit besteht. Die Firma Beckerath stellt seit 70 Jahren Orgeln für Hamburg, Deutschland und die Welt (USA, Russland, Japan, …) her. Herr Greve-Ruwoldt, Tischlermeister und Orgelbauer, führte uns durch die verschiedenen Stationen der Herstellung, erläuterte die einzelnen Fertigungsschritte und beantwortete geduldig die vielen Fragen der Teilnehmer. Zunächst wurden wir in die Kunst der Pfeifenmanufaktur eingeführt: das Schmelzen der Legierung aus Zinn und Blei (z.B. 60 % : 40 %), das Walzen, Hobeln, Schneiden und Formen. Der Klang der Metallpfeifen ist nicht nur abhängig von der Legierung, sondern stärker noch von der 'Mensur', also dem Verhältnis von Länge zum Durchmesser.

Anschließend ging es in die Holzwerkstatt, denn neben den Gehäuseteilen, Pedalen, Windladen, Windkanälen und Kleinteilen, die aus Holz bestehen, werden auch die Holzpfeifen hier hergestellt. S ie sind eher für wärmere Klangfarben gebräuchlich. Es gibt aber einen grundsätzlichen Unterschied in der Tonerzeugung: Die Labialpfeifen und die Lingualpfeifen. Die Labialpfeifen (Lippenpfeifen) sind vergleichbar mit der Blockflöte. Hingegen erzeugen die Lingualpfeifen (Zungenpfeifen) den Ton durch ein Metallblättchen, das durch den Luftstrom in Schwingungen gebracht wird. Dadurch klingen sie eher schnarrend oder näselnd. Typische Namen dieser Zungenpfeifen-Register sind z.B. Klarinette, Oboe, Trompete oder Krummhorn. Bei allen Labialpfeifen gilt grundsätzlich: je länger sie sind, desto tiefer ist der Ton. In einer Orgel mittlerer Größe findet man Pfeifen in der Länge von 16 Fuß (ca. 5 Meter), aber die kleinsten sind kaum einen Zentimeter (klingende Länge) groß. Wenn man einer Labialpfeife einen Deckel aufsetzt, so tönt sie eine Oktave tiefer und erzeugt damit einen Ton, als sei sie doppelt so lang.

Herr Greve-Ruwoldt erklärte uns die generell Funktionsweise einer Orgel: Alle Pfeifen eines Orgelwerks befinden sich auf der Windlade. Diese ist so konstruiert, dass eine Pfeife nur dann erklingt, wenn 1. das Register, zu dem die Pfeife gehört, gezogen ist, und 2. zusätzlich die Taste, die der Tonhöhe der Pfeife entspricht, gedrückt ist. Wenn auf der Windlade also 16 Register (Pfeifenreihen gleicher Klangfarbe) stehen, alle Register gezogen sind, und die Taste A wird gedrückt, so erklingen 16 Pfeifen des Tones A. Und die Anzahl der Pfeifen auf dieser Windlade kann man leicht berechnen, denn wir erfuhren, dass eine Tastenreihe 56 Tasten besitzt. Es sind 16 x 56, also 896 Pfeifen. Es gibt natürlich einige Besonderheiten oder Ausnahmen, aber prinzipiell stimmt die Rechnung.

Da derzeit eine romantische historische Orgel des Münchner Orgelbauers Franz Borgias Maerz restauriert wird, konnten wir sogar Еinblick in eine elektro-pneumatische Orgel nehmen, deren Spieltisch komplett neu rekonstruiert wurde. Schließlich ging es über die Montagehalle noch kurz in den Intonationsraum, in dem jeder einzelnen Pfeife der ihr zugedachte Klang verpasst wird. Obwohl zurzeit keine fertige Orgel bereitstand, die hätte angespielt werden können, war es doch eine lehrreiche Besichtigung.

Birgit und Wolfgang Kraft

Hier noch schöne Bilder von unserem Mitglied CK: vielen Dank dafür.

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