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Wasserforum in Rothenburgsort vom 20.08.2019

Unser Wasser ist frei von schädlichen Keimen. Es kommt aus dem Hahn und ist mit dem Prädikat "Trinkwasser" versehen. Näheres erfuhren wir bei der Besichtigung des Wasserwerkes Rothenburgsort im Verlauf eines zweistündigen Vortrages von Frau Hase über Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Abwasseraufbereitung. 
In Hamburg gab es bis Ende des 14. Jahrhunderts keine geregelte Wasserversorgung. Betriebe und Privathaushalte versorgten sich aus Alster und EIbe. Eine weitere Möglichkeit bot das Sammeln von Regenwasser. Aus Schöpfstellen oder Brunnen konnten die Bürger sich bedienen, wobei Wohlhabende schon durch Leitungssysteme versorgt wurden, die aus durchbohrten Baumstämmen bestanden. Die Stämme mussten sehr präzise von beiden Seiten (teils per Hand) bearbeitet werden. Das Zusammenfugen der Stämme erfolgte über an den Enden befestigte Metallringe. Die Qualität des Wassers war vor allem bei älteren Leitungen sehr bedenklich. Bürger, die sich aus Kostengründen den Transport des Wassers in das Haus nicht leisten konnten, kauften das kostbare Nass von umherfahrenden Wagen oder bedienten sich der Wasserträgerinnen, die die Versorgung in entlegene Stadtteile mittels Eimern übernahmen. Aus dieser Tätigkeit entwickelte sich ein Gewerbe, in dem vor allem Frauen für einen kärglichen Lohn tätig waren. 

Die Hamburger entnahmen nicht nur Trink- und Brauchwasser aus Alster und Fleeten, sondern sie führten auch das Abwasser (verschmutzt mit Fäkalien) in die Gewässer zurück. Das führte zu großen Problemen. Es bildeten sich Interessengemeinschaften, die für den Bau von Abzugsgräben und gemauerten Abwasserleitungen sorgten, über die das Wasser in die EIbe transportiert wurde. 
Beim großen Brand in Hamburg (1842) zeigten sich die Trinkwasserversorgung und das Löschwesen als nicht ausreichend. Das Wasser musste über weite Strecken herangeführt werden. Das hatte vor allem zur Folge, dass die Feuerspritzen nicht befüllt werden konnten. Die Löschwasserversorgung hatte versagt und musste neu geregelt werde. Es wurde ein staatliches Wasserversorgungsnetz eingerichtet, das die Abwasserversorgung übernahm und für ein fähiges Netz von "Nothpfosten" (Hydranten) für die Brandbekämpfung sorgte. (Die Straßennamen Brandstwiete u. Brandsende erinnern an den verheerenden Brand). 
Im Juni1844 beschloss der Senat, ein völlig neues Wasserversorgungssystem für Hamburg zu errichten. Mit der Ausführung des Planes wurde der aus England stammende Ingenieur Lindley beauftragt, der schon in London auf diesem Gebiet erfolgreich tätig war. Es wurden eiförmige Wasserkanäle (Siele) gebaut. Sie bestanden aus gebrannten Ziegeln und waren begehbar. Sie konnten neben Regenwasser und Straßenschmutz auch Abwässer der Haushalte aufnehmen und in die EIbe transportieren. Hier ergab sich das Problem mit den Gezeiten. Bei Hochwasser und Sturmfluten bestand die Gefahr des Eindringens von Elbwasser in die Siele. Lindley erkannte die Gefahr, baute selbstschließende Fluttore ein, die sich bei auflaufendem Wasser schlossen und bei Ebbe das Abwasser wieder abfließen ließen. Er empfahl den Hausbesitzern, diese Technik in die hauseigenen Anschlüsse zu installieren. Das danach in Kraft tretende Sielgesetz sah den sofortigen Anschlusszwang an einen neu erstellten Abwasserkanal vor. Es gilt heute noch. (An das Wirken des engl. Ingenieurs erinnert der Straßenname . "Lindley" in Rothenburgsort) 
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu Choleraepidemien. Die Trinkqualität des Wassers war schlecht. Ursache waren die unzureichenden hygienischen Zustände. Es erkrankten l6.590 Personen, 8.600 Menschen starben. Ein Filterwerk hätte die Epidemie verhindern können. Fehlende finanzielle Mittel verzögerten den Bau. 1893 entstand mit Militärhilfe schließlich die Filtrationsanlage. Das gereinigte Wasser gelangte durch gemauerte Kanäle und eiserne Röhren in große Vorratsbecken, dann weiter über das Pumpwerk Rothenburgsort in die Leitungsnetze der Stadt. 

Während des 1. Weltkrieges kam der Sielbau fast vollständig zum Erliegen. Im 2. Weltkrieg wurde die Wasserversorgung (Juli/August 1943) infolge der Bombenangriffe stark beschädigt. Unter erheblichen Anstrengungen konnte das Pumpwerk Rothenburgsort innerhalb drei Wochen behelfsmäßig repariert werden und die Wasserversorgung aufnehmen. Nach Kriegsende gehörte die Wasserversorgung zu den dringlichsten Aufgaben. Von 1948 bis 1967 entstanden 1.899 km neue Siele. Bei der großen Flut (1962) brachen die Deiche. Die Filterbecken wurden von Elbwasser überspült und standen zunächst nicht für die Wasseraufbereitung zur Verfügung. 

Für die Versorgung mit Trinkwasser wird seit 1964 ausschließlich Grundwasser verwendet. Die Nutzung von Elbwasser ist Vergangenheit. Nach der flutartigen Information war es nur noch ein kurzer Weg - vorbei an der Lindleystraße - zum Restaurant "Altdeutsche Küche Elbbrücken". 
Herr Joerss, vielen Dank für die Organisation. 
G. Neumann 

 

Fotos von unsrem Vereinsmitglied RD. (Danke dafür)