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Das Hühnermoor - eine Homage

Das Hühnermoor –mehr als eine Grünanlage

Auf der Feier zum 40jährigen Bestehen des Saselhauses wurde es als Leuchtturm und kulturelles Zentrum und Ort der Begegnung gewürdigt. Meine Freundin sagte, das Saselhaus sei für sie ein Stück Heimat und vermittle ihr das Gefühl, in Sasel zuhause zu sein.

Das Hühnermoor ist für mich auch so ein Ort. Viele Erinnerungen und Erlebnisse sind mit diesem Ort verbunden. Darüber werde ich berichten.

Zuerst aber ein wenig über die Geschichte. Gesiedelt hat man am Rande des Hühnermoors schon in der Eisenzeit. Auf alten Karten ist das Hühnermoor Bauernland, und 1920 wird das Gelände als Ziegenweide des Siedlervereins ausgewiesen. Wann ein Teich angelegt wurde, konnte ich noch nicht herausfinden. Auch nicht, wie es zu diesem Namen gekommen ist. Vielleicht weiß ein alter Saseler etwas darüber?

Nach dem Krieg gab es dort schon einen Teich, am Gilcherweg und der Straße Auf der Heide standen Leybuden. Das waren kleine Holzhäuser, die von Menschen bewohnt wurden, die alles verloren hatten. Das Gelände war nicht gepflegt, und große Pfützen bedeckten die unbefestigten Wege. Bei Dunkelheit das Hühnermoor zu durchqueren war einer unserer Mutproben.

Wunderbar war das Froschkonzert im Frühjahr. Wie oft mussten wir am Dweerblöcken das Fenster schließen, weil es so laut war, dass man nicht einschlafen konnte. Heute freuen wir uns, wenn wir am Ufer mal einen! Frosch entdecken.

Am Hühnermoor habe ich Fahrradfahren gelernt und Schlittschuhlaufen. Eishockey spielen war das große Vergnügen und ermöglichte ganz nebenbei soziale Erfahrungen und Kontakte. Meine klammen Finger schafften es nicht, die untergeschnallten Kufen zu lösen- aber da war ja immer der nette Carsten!

Im Sommer haben wir an dem Teich geangelt. Stundenlang haben wir das Auswerfen geübt und waren tief zufrieden, wenn wir ein paar kleine Fische für die Katze gefangen hatten. Die Stichlinge bekamen die Hühner.

Der Teich war damals frei von Uferbewuchs. Schilf, Rohrkolben, die Brombeeren, die Weiden, Pappeln und die Buschgruppen wurden erst in den siebziger Jahren angepflanzt. Jetzt kann man dort Kirschen und Brombeeren ernten, Pilze entdecken und Vögel beobachten.

Der ca. 400 m lange Rundweg wird heute zum Joggen, Walken, Spazierengehen und zum Roller- und Fahrradfahren von allen Altersgruppen genutzt. Viele Hundebesitzer sind unterwegs und viele lassen ihre Lieblinge frei laufen. Man kennt sich, man grüßt sich, und oft wird ein kleiner Klönschnack gehalten.

Auf unseren täglichen Walkingtouren haben wir schon ganz viele interessante Beobachtungen machen können. Graureiher und Stockenten sind Dauergäste, Bläss- und Teichhühner brüten im Schilf, Singdrossel, Amsel, Buchfink, Elster, Eichelhäher und Mönchsgrasmücke in den Bäumen. Das beringte Grauganspaar brütet in einem Garten und kommt zum Äsen zum Hühnermoor.

Ab 2002 nutzten 300 Rauchschwalben drei Sommer lang das Schilf als Schlafplatz. Ein abendliches Schauspiel, das zu einem Nachbarschaftstreff wurde. Aus östlicher Richtung kamen große und kleine Trupps und kreisten über dem Teich, um festzustellen, ob der Sperber schon auf Beute lauert. Immer dichter wurde die Wolke, schwebte immer tiefer und plötzlich ließen sich alle Schwalben fallen, die Schilfhalme bogen sich unter der Last und nur mit dem Fernglas konnte man die Tiere noch erkennen. Den Sperber bei der Jagd zu beobachten war richtig aufregend, weil er durch die Menge der Beute überfordert war und oft mehrere Versuche starten musste.

Bei den Laternenumzügen des Lukas Kindergartens wurde am Teich gesungen, und die Spiegelungen im Wasser boten ein wunderschönes Bild.

Ferngesteuerte Boote hat das Hühnermoor erlebt, Schilfboote mit Teelichtern wurden eingesetzt, das Ditschen geübt und die Enten gefüttert. Zwei acht- jährige Jungen, ausgerüstet mit Kescher, Eimern und Gummistiefeln hatten Molche, Wasserskorpione, Taumelkäfer und Rückenschwimmer gefangen. „Natürlich setzen wir die wieder aus, wir wollen sie nur ein paar Tage beobachten“, wurde mir erklärt.

Immer wieder finden sich auch Angler ein, die mit einer Profiausrüstung, mit Zelt und Campingstuhl stundenlang geduldig auf einen Biss warten. Es sollen Brassen, Rotfedern und Schleie im Teich zuhause sein.

Im letzten Sommer hatten alle Teichbewohner ein großes Problem, weil der Wasserspiegel kontinuierlich sank, die Oberfläche mit Wasserlinsen bedeckt war und der Sauerstoffgehalt stetig absank. Es kamen Inseln zum Vorschein, und wir mussten das Wasser zum Gießen unserer neu gepflanzten Stieleiche in einer Gießkanne von Zuhause mitbringen, weil das Wasser zu flach war.

Wenn es dämmerig wird, kann man im Sommer die Zwergfledermäuse bei der Jagd nach Insekten beobachten. Sie ziehen immer gleiche Runden und zeigen faszinierende Flugkünste.

Auf dem kleinen Spielplatz können kleine Kinder rutschen, schaukeln und im Sand buddeln. Das Versteck des Geocaching konnte ich nur mit Hilfe meines Neffen finden. Die jungen Leute, die auf den Bänken sitzen, kann man fragen, wie man einen E-Roller buchen kann, oder erfahren, welcher Film sehenswert ist. Eine alte Dame freut sich, dass sie nach einer OP wieder eine Runde schafft. Bei + 5 °C hatten es sich zwei kleine Mädchen auf einer Decke gemütlich gemacht, hatten ihre Schuhe ausgezogen und lauschten ihrer Musik. Im Kletterbaum sitzen oft zwei oder drei Jugendliche und besprechen die Probleme der Welt.

Ganz spannend wird es im Dunkeln. Mal blinken aus dem Gebüsch die Taschenlampen der Versteck spielenden Kinder und auf den Wegen die in allen Farben aufblitzenden Hundehalsbänder, die Fahrradleuchten und die Blinkanlagen an den Schuhen der Kinder. Auf der Wasseroberfläche spiegelt sich das Abendrot, später der Mond. Die warmen Farben der Fenster der umstehenden Wohnhäuser geben je nach Windstärke ein immer wieder anderes Bild.

Zum Schluss ein Dank an die fleißigen Helfer des Gartenbauamtes, die diesen Ort umsichtig pflegen und in Ordnung halten. Aber auch ein Dank an alle Besucher, die keine Abfälle und Hundekot hinterlassen, und an die , die Müll aufsammeln. Das Hühnermoor ist dadurch wirklich ein angenehmer Raum.

Für mich ist das Hühnermoor ein Gebiet, das ich immer wieder gern aufsuche. Der Wochenmarkt ist, genauso wie das Saselhaus, auch für viele ein solcher Ort. Ob es in Sasel wohl noch weitere “Wohlfühl- Plätze“ gibt?

Die Umgestaltung des Saseler Marktes wird nun endlich in Angriff genommen. In der Planung sind verschiedene Bepflanzungen, Sitzmöglichkeiten und Angebote für Aktivitäten, die eine hohe Aufenthaltsqualität und eine rege Kommunikation ermöglichen werden. Darauf freut sich nicht nur…

Margret Mulsow

20200801