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40 Jahre liegt sie zurück, die Schneekatastrophe 1978/1979

Hier schildern Zeitzeugen, was Sie während dieser Katastrophe erlebt  und wie Sie sie überwunden haben.


Liebe Mitglieder: Erinnern Sie sich auch noch an diese besondere Schneekatastrophe? Was haben Sie erlebt? Kommentieren Sie und schreiben Sie uns auf unserer Homepage: Link hier. mit weiteren Fotos.

Ein Zeitzeuge - interessierter Leser unserer Vereinszeitung, Herr H.O.Wehrmann, sandte uns vor kurzem diese Fotos  mit einer kurzen persönlichen Bemerkung. Und dieser Auslöser reichte, und in meinem Kopf öffneten sich Bilder und Erlebnisse aus dieser Zeit. Geht es Ihnen genau so?


Unser Zeitzeuge schreibt: 


Als besonderes Ereignis des 50jährigen Bestehens der Siedlung ist mir die Schneekatastrophe vom Januar 1979 in Erinnerung geblieben. Unsere Marderstraat war nicht mehr zu befahren. Ein Schneeräumfahrzeug  der Stadt hatte uns nicht auf der Rechnung. So haben wir in Gemeinschaftsarbeit unsere Straße freigeschaufelt. Diesen Gemeinsinn vermissen wir heute. Jeder wartet auf den anderen, und keiner hat mehr Zeit. Zwei Bilder dazu finden Sie ebenfalls  im Anhang. Leider sind die Bilder als Kopie von Polaroid sehr unscharf.”

 

Dieses Foto von Herrn Wehrmann  vermittelt einenn guten Eindruck von den Schneemassen auf Norddeutschland's Strassen.

Und wie war das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln? Herr Wehrmann erinnert sich und berichtet:

"Bzgl. der Schneekatastrophe erinnere ich mich, dass die S1 im Januar 1979 nicht fahren konnte, weil die verschneiten seitlichen Stromschienen beim Abnehmen des Stromes zu ständigen Lichtbögen führten. ( Das Problem hat die U-Bahn vergleichsweise nicht, weil deren Stromabnehmer den Strom von unten abgreifen). Die Deutsche Bundesbahn ersetzte die S-Bahn-Züge kurzerhand durch alte Regionalzugwagen, die von einer Diesellok gezogen wurden. Heute wäre eine solch praktische Ersatzlösung wohl kaum noch denkbar. Die S-Bahn würde stillstehen, und die Fahrgäste müssten auf übervolle Busse ausweichen."
 

Frau Mielow-Weidmann 's Bericht

Ich erinnere mich genau: Mein Schulleiter hatte mich vom Unterricht beurlaubt. Ich hatte am 13. Februar 1979 eine der fünf Klausuren zum 1. Staatsexamen zu schreiben. Es war die 5-Stunden-Klausur in Englischer Philologie. Sie sollte um 14:00 Uhr am Berliner Tor in der Aula einer Schule beginnen. Das machte man gern, weil dann die Tische weit voneinander entfernt aufgestellt werden konnten, und an jedem Tisch saß ein Prüfungskandidat und 10 Aufpasser liefen ständig drum herum.

Um 11:00 Uhr kam mein Mann aus der Schule nach Hause. Man hatte alle Klassen entlassen, weil man befürchtete, dass die Schüler sonst nicht mehr nach Hause kamen, denn viele mussten per Bus und Bahn nach Hause. Mein Mann sagte: "Du brauchst gar nicht erst loszufahren, du kommst nicht mehr durch. Busse und Bahnen fahren nicht mehr. Ich bin gerade noch so eben und eben mit dem Auto hergekommen, aber überall sind Schneewehen. Die Alte Landstraße ist dicht.“

Ich war geschockt - furchtbar! Wenn es ein neues Thema gibt und einen neuen Termin, muss ich alles noch einmal vorbereiten. Wochenlang habe ich gesessen und mich auf diese Klausur vorbereitet. Ich schaufelte meinen VW-Käfer frei, packte Fußmatten, Schaufel, Besen und einen Stahlabtreter ins Auto, den ich vor unserer Treppe hochnahm, und fuhr etwa 11:15 Uhr los. Im 5-km/h-Tempo erreichte ich den Poppenbütteler Berg, schlingerte auf die Kreuzung Harksheider Straße zu und fuhr langsam weiter. In der Alten Landstraße musste ich die Gegenfahrbahn nutzen, sonst hätte man mich unter den Schneewehen auf meinen beiden Fahrspuren nie wieder gefunden. die Schneeverwehungen waren höher als mein Auto. Das erste Mal blieb ich in der Fuhlsbüttler Straße stecken. Vorne Schnee, hinten Schnee, die Fahrertür ließ sich  nur mit viel Kraft öffnen, fast kniehoch stand ich im Schnee und arbeitete mich mit Besen und Schaufel zu den Rädern durch, legte meine Matten unter die Vorderräder, fuhr langsam an - keine Chance. Ich holte die Stahlmatte, machte vor den Rädern noch mehr Platz, schaufelte so lange, bis ich an eine Stelle kam, an der der Schnee etwas weggeweht war, stieg ins Auto, fuhr an, es klappte. Ich stieg wieder aus, ließ den Motor laufen, holte meine Matte und rumpelte langsam los: links, rechts, Gegenfahrbahn, mittig, wieder rechts, was macht das schon. Es war ja außer mir keiner auf der Straße. Das zweite Mal blieb ich in der Hamburger Straße stecken hinter dem Linksabbieger in den Mühlendamm beim Ernst-Deutsch-Theater. Dort hatte ich Hilfe. Ein paar junge Männer schubsten von hinten so lange, bis ich über meine wieder ausgelegte Matte kam. So kam ich langsam in die Nähe der Schule am Berliner Tor. Es war inzwischen 13:30 Uhr. Ich nahm den ersten Parkplatz, den ich sah und der fast schneefrei war neben einem großen Baum. Punkt 14:00 Uhr erreichte ich die Aula. Von den 40 Prüflingen waren gerade einmal 10 erschienen. Man wartete noch eine halbe Stunde, in der weitere 10 - 12 kamen. Dann verteilten die Assistenten die Prüfungsaufgaben. Abgabe 19:30 Uhr - geschafft.

Mit drei anderen Kommilitonen aus meinem Prüfungsseminar, die es auch geschafft hatten (von der 8er Gruppe, in der wir uns vorbereiteten), suchte ich mein Auto. Es war verschwunden. Ich war mir nicht mehr sicher, wo ich es abgestellt hatte und konnte nur ungefähr die Richtung angeben. Die Straßen sahen so verändert aus, irgendwie einer Wildnis ähnlich. Wir gingen in die vermutete Richtung und wischten den Schnee von allen Autoschildern, die zu einem buckelähnlichen Vehikel gehörten. Eins davon war meins. Leider hatte eine Schneefräse vor meinem Auto inzwischen einen Schneeberg angehäuft. Mit vereinten Kräften befreiten wir meinen Käfer von

den Schneebergen, und über den Fußweg erreichte ich dann die Straße, nachdem meine Kommilitonen so lange das Auto geschaukelt hatten, bis es nach hinten über den Huppel kam. Da alle drei nach Norden mussten und keine Bahnen oder Busse fuhren, nahm ich sie mit. Erstens liegt dann das Auto schwerer auf rutschigem Untergrund und zweitens war ich nicht allein, wenn ich wieder steckenblieb. Aber alles ging gut. Ich glaube, ich hätte neben meinem Auto herlaufen können, so langsam ging es voran. Unterwegs hielt ich mitten auf der Straße, wenn der eine oder der andere aussteigen wollte, und so kam ich schließlich gegen 23:30 Uhr am Carsten-Meyn-Weg an. Ich kam auch um die Ecke, aber dann lief nichts mehr. Mein Auto stand, und die Räder waren im Schnee versunken. Die Tür ging nicht auf, weil von außen der Schnee dagegen drückte. Ich hupte. Die meisten Anwohner waren noch beim Schneefegen, und so hatte ich Helfer, die mich von außen befreiten und die Tür öffneten. Ich watete in kniehohem Schnee zu unserem Haus und ließ mein Auto stehen - mitten auf der Straße am Garleff-Bindt-Weg 1. Mein Mann fegte auch noch Schnee und sagte: "Geh' man rein, wir kümmern uns schon darum." Ich sank in den Sessel und muss von einer Sekunde auf die andere eingeschlafen sein. Als mein Mann mich weckte, war mein Auto auf dem Parkplatz. Wie es dorthin gekommen ist?  Ich weiß es nicht.

Ute Mielow-Weidmann

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20190607